Historie

Ein kleiner Überblick über die Geschichte bis in die Gegenwart  von Martin Moers
Unser Dorf Völlinghausen, an der Möhne gelegen, wird häufig mit dem nur 20 km nördlich zur Stadt Erwitte gehörenden Ortsteil Völlinghausen verwechselt.
Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied: Der Ort Völlinghausen, nördlich des Haarstranges bei Erwitte gelegen, ist nachweislich – inzwischen – mehr als 1000 Jahre alt. Dies geht aus einer Schenkungsurkunde für das Stift Meschede des Kaiser Otto II. aus dem Jahre 978 hervor, in dem der genannte Haupthof „Folk­geldinchuson“ unzweifelhaft auf das Erwitter Völlinghausen zu beziehen ist.

Dagegen befinden sich die Anfänge unseres südlich des Haarstranges gelegenen Völlinghausen im geschichtlichen Dunkel.historie02

Historisch betrachtet gehörte unser Ort zum Herzogtum Westfalen (seit 1180) und mit Verkauf der Grafschaft Arnsberg des kinderlosen Grafen Gottfried IV. im Jahre 1368 an die Kölner Kirche gleichsam zum kurkölnischen Sauerland. Hier können wir Bezug nehmen auf die Verkaufsurkunde, in welcher der genaue Bestand der Grafschaft wiedergegeben ist. Dort finden wir unter Punkt 3 der Aufzählung: „Kirchdörfer: Corbeke, Allagen ….“ usw. Auf lokaler Ebene gehören wir zum Amt und Gericht sowie Kirch­spiel Körbecke.
Nur wenige Kilometer nördlich befindet sich die fruchtbare Soester Börde, verläuft der Hellweg sowie – paral­lel dazu – der Haarstrang in West-Ost-Richtung. Südlich unseres Ortes, aus Brilon kommend, fließt der Möhnefluss – hier bereits kurz vor der Mündung des in den Jahren 1912/13 aufgestauten Möhnesees – unmittelbar nach Süden hin schließt sich das Grün des Arnsberger Waldes an, welcher bereits Teil des Sauerlandes ist.
historie03Eine erste Jahreszahl, die mit unserem Völlinghausen in Verbindung gebracht werden kann, lautet 1229. Hier wird erstmals ein Arnoldus de Volkelinchusen erwähnt. Genannt wird er als Zeuge in einer Urkunde des Grafen Gottfried II. von Arnsberg, in welcher dieser dem „Heilig-Geist-Hospital“ zu Soest freie Nutzungsrech­te in der Syringer Mark einräumte. An dieser Mark waren die Bauern- und Dorfschaften Neuengeseke, Müllingsen, Elfsen, Echtrop, Ellingsen, Wamel und Völlinghausen traditionell beteiligt. Somit dürfte hier die Zuordnung mit unserem heutigen Völlinghausen zweifelsfrei sein.
Es ist allerdings noch nicht bewiesen, dass es bereits im 13. Jahrhundert einen Ort mit diesem Namen gege­ben hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass damals bereits ein Hof Völlinghausen als Adelssitz bestanden hat. Denn der Ort Völlinghausen tritt namentlich erstmals als ein Bestandteil des Kirchspiels Körbecke zum Ende des Mittelalters und damit zu Beginn der Neuzeit im 16. Jahrhundert in Erscheinung. Und dies in enger Verbindung zum Schloss (Haus) Völlinghausen, dessen Historie ebenfalls und auffallend zeitlich ab dem Reformationsjahr 1517 als gesichert überliefert ist.


Auf die in der Völlinghauser Geschichte immer wieder in Verbindung gebrachte „Syringer Mark“ soll an dieser Stelle ebenfalls kurz eingegangen werden. Diese Mark hat ihren Namen von dem Dorfe „Syrinchusen“, welches im dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) untergegangen ist. Es lag nachweislich etwa an der Stelle des heutigen Blomenhofes. Marken waren bewaldetes Land, das einer Sippe oder Dorfgemein­schaft Wohnung und Nahrung bieten sollte und die ursprünglich allen Markgenossen zur gemeinsamen Nutzung überlassen wurde. Die Syringer Mark war eine der fünf Möhnemarken, die da waren (Aufzählung von Westen her): die Günner Mark, Delecker Mark, Körbecker Mark, Syringer Mark und Allager Mark. Alle befanden sich südlich des Möhneflusses im heutigen Arnsberger Wald. In unserem Völlinghausen erinnert noch die Bezeichnung unserer Dorfstraße „Syringer Straße“ an diesen historischen Tatbestand.
Wie stellt man sich Völlinghausen zu Beginn der Neuzeit vor? Der Kern war sicher das Haus Völlinghausen (heutiges Schloss der Familie von Bockum-Dolffs). Umliegend gab es Höfe, der älteste ist wohl der am 20. April 1681 erbaute „Kalles Hof“ (heutiger Hof der Familie Sämer, die Balkeninschrift zeigt das Datum), obwohl bereits im Hofverzeichnis des Jahres 1597 von einem „Kallershof“ die Rede ist. Höfe sowie kleinere einfache Häuser für Landarbeiter und Handwerker sowie die im Jahre 1726 benedizierte „St. Luzia“-Kapelle: Dies ist der Ursprung unseres Ortes Völlinghausen, hoch oben auf der Bergspitze über dem Möhnetal gele­gen. v00001 Von da hat er sich entwickelt bis in unsere Zeit. Der Ort ist gewachsen, besonders auch in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg, in den1950-er Jahren entstand die heutige Siedlung im „Engelslieth“ und am „Pferdekamp“. Dass Gemeinschaftssinn in Völlinghausen immer schon eine große Bedeutung hatte, zeigen auch die erfolgreichen Teilnahmen den Kreiswettbewerben und besonders an dem Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ in den 60-er und 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts: 1963, 1965, 1967 und 1971 wurden vordere Plätze belegt, im Jahre 1965 erhielt unser Ort den Wanderpreis für vorbildliche Gemeinschaftsleistung.
Ein Ergebnis dieses Gemeinschaftssinnes war u..a., dass Völlinghausen im Jahre 1967 als einzige der vor der kommunalen Neuordnung 15 selbständigen Gemeinden des Amtes Körbecke ein eigenes Ortswappen verliehen bekam. Und das ist bis heute das einzige in der Gemeinde Möhnesee geblieben. Unser Wappen zeigt auf blauem Untergrund drei 2 : 1 gestellte goldene Korngarben. Die Korngarben führte das Geschlecht „von Aldenbreckerfeld“ (im Jahre 1412 war ein Johann von Aldenbreckerfeld „Herr zu Völlinghausen“ und somit einer der Vorbesitzer der Familie von Bockum-Dolffs) bereits in ihrem Siegel. Das Symbol der Korngar­ben weist auf den früheren für den Ort Völlinghausen wichtigen Erwerbszweig der Landwirtschaft hin. Der blaue Schildgrund nimmt Bezug auf die Lage am Möhnesee.
Heute präsentiert sich unser Völlinghausen als ein Ort mit ca. 1.400 Einwohnern im Osten der Gemeinde Möhnesee. Er erstreckt sich großflächig, vom südlichen Teil des Haarstranges bis in den Arnsberger Wald hinein. Mit dem Golfplatz am Gut Köbbinghof, dem Wildpark, einer Freizeitanlage, dem Sportgelände mit neuem Kunstrasenplatz sowie einer Minigolfanlage ist Völlinghausen ein beliebtes Ziel bei Touristen. Mit dem Erholungswald und dem Lunapark im Oberdorf (hier ist eine Skulptur des Völlinghausener historie01Bildhauers Robert Ittermann zu sehen) sowie dem Naturlehrpfad mit Vogelschutzgebiet (Naturschutzgebiet am Möhne­einlauf) werden den interessierten Besuchern die Natur näher gebracht. Völlinghausen ist auch Ausgangs­punkt vieler Wanderstrecken. Dabei lässt die Landschaft nichts zu wünschen übrig: Wanderungen durch die Feldflur am Haarstrang, entlang des Möhnesees oder durch den Arnsberger Wald – zu jeder Jahreszeit bietet sich den Augen in frischer, gesunder Luft eine Fülle der unterschiedlichsten Eindrücke. Die um 1850 von Florens II. von Bockum-Dolffs (u.a. Landrat des Kreises Soest und Abgeordneter des Preußischen Land­tages in Berlin) angelegte und heute noch erhaltene Linden-Baumallee entlang der gesamten Syringer Straße ist in die Deutsche Alleenstraße integriert.