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Im Herbst 2007 hatte der Metzger in unserem Dorf seine Pforten geschlossen, und damit war die einzige Möglichkeit dahin, irgendwelche Dinge des täglichen Bedarfs kurzfristig zu kaufen. Statt dessen war nun immer ein ca. 7 km langer Weg – egal ob nach Sichtigvor oder nach Körbecke – notwendig, um Frischeeinkäufe oder vergessene/spontane Einkäufe zu tätigen.

Dieses Problem hat aber nicht nur Völlinghausen. Bei Recherchen im Internet stießen wir auf das Dorf Barmen im Kreis Düren, das bereits im Jahr 2001 vor ein ähnliches Problem gestellt wurde und dieses erfolgreich gemeistert hat. Die Lösung des dortigen DORV-Zentrums hat uns überzeugt und wir waren sofort der Meinung, dass das auch für Völlinghausen passen könnte. Hinzu kommt, dass das Dorf Barmen fast eine identische Einwohnerzahl wie Völlinghausen hat (1416 Einwohner) und eigentlich hinsichtlich Grundversorgung eher noch besser als Völlinghausen an andere Orte angeschlossen ist.

Wie sieht nun das Konzept „DORV-Zentrum Völlinghausen“ aus? Uns war von Anfang an klar, dass wir keinen privaten Investor oder eine Handelskette als Betreiber eines Geschäftes in unserem Dorf finden würden. Also musste durch die Dorfgemeinschaft ein Trägerverein/eine Gesellschaft gegründet werden, die Investitionen durchführt und dieses DORV-Zentrum betreibt und vor allem – am Leben hält. Dieses ist nur durch eine partnerschaftliche Einstellung vieler Dorfbewohner (ja, wir wollen das!) , durch finanzielles Engagement möglichst vieler Dorfbewohner und viel Überzeugungsarbeit der Projekt-Macher möglich.

Die Lösung mit der Dorfgemeinschaft als Betreiber des DORV-Zentrums ist zwar ein beschwerlicher Weg, bietet aber auch einige Vorteile, da das Waren- und Dienstleistungsangebot nicht allein anhand von Renditegesichtspunkten, sondern an den spezifischen Bedürfnissen des Dorfes ausgerichtet werden kann. Nun klärt sich auch auf, dass „DORV“ kein Rechtschreibfehler oder ein Ergebnis der Rechtschreibreform ist, sondern für „Dienstleistungen und Ortsnahe RundumVersorgung“ steht. Für Völlinghausen wurde folgendes 3-Säulen-Modell geplant:

Grundversorgung Dienstleistungen Sozialleistungen
     
Brot/Backwaren Paketdienst Hol-/Bringedienst
Fleisch/Wurst Postwertzeichen Apotheken-Bringedienst
Gemüse/Obst Lieferdienst Arzt-Sprechstunden
Milchprodukte/Käse Anträge Gemeinde Caritas
Getränke   Kegelbahn
Zeitschriften   Steh-Cafe
Sonst. Lebensmittel    
Sonst. Non-Food Artikel    

Unser Vorhaben kann nur erfolgreich sein, wenn das Projekt eine „Wir-wollen-das-Einstellung“ bei möglichst vielen Dorfbewohnern bewirkt. Hierzu war es erforderlich, schrittweise vorzugehen und mit sachlichen Argumenten eine positive Meinungsbildung zu erreichen.

In einem ersten Schritt haben wir zusammen mit dem DORV-Zentrum Barmen im September 2008 eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Hierbei wurden Fragen wie bsp. Altersstruktur der Bevölkerung, öffentlicher Nahverkehr, Kaufkraft, Einkaufsverhalten, Entfernungen zu anderen Stellen der Grundversorgung beantwortet und beurteilt. Ergebnis der Studie war, dass ein DORV-Zentrum für Völlinghausen wirtschaftlich sinnvoll erscheint! Im nächsten Schritt wurde eine Bedarfsanalyse bei den Völlinghausener Haushalten durchgeführt (September/Oktober 2008). Hierbei wurden folgende Fragen gestellt: Besteht überhaupt Interesse an einem solchen DORV-Zentrum? Wenn ja, welche Waren- ,Dienstleistungs- und Sozialleistungsangebote werden vorzugsweise gewünscht? Wie sollten die Ladenöffnungszeiten aussehen? Und schließlich noch die wichtige Frage: Wer ist bereit, sich an einer Trägergesellschaft zu beteiligen? Hierbei ging es nicht darum, hohe Geldbeträge zu investieren, sondern möglichst viele Dorfbewohner mit einem kleinen Geldbetrag (ab 100 €) für eine Beteiligung zu gewinnen. Das Ergebnis derBefragung war sehr positiv! Wesentliche Bedarfsnachfragen bei der Grundversorgung bestehen nach Frischeartikeln wie Fleisch/Wurstwaren, Brot/Backwaren und Obst/Gemüse. Auch für einzelne Dienst-und Sozialleistungen zeigten sich bei der Befragung eindeutige Schwerpunkte.

Im Zuge der weiteren Projektierung wurde uns ein geeignetes Objekt für ein derartiges DORV-Zentrum angeboten: Die Eigentümer der Dorfgaststätte wollten Ende 2009 den Betrieb aufgeben. Neben einem Dorfladen mit ca. 200 qm konnten für eine Arztpraxis entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, die vorhandene Kegelbahn sollte möglichst erhalten und für die „Dorfkommunikation“ sollte ein Stehcafe (mit Sitzgelegenheiten) eingerichtet werden. Wir haben die notwendigen Umbaumassnahmen mit den daraus resultierenden Kosten geplant, die notwendigen Investitionen für Ladeneinrichtung und -ausstattung berechnet, den Personalbedarf geschätzt, und darauf aufbauend eine Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellt. Auch wenn ein Investitionsrahmen von insgesamt ca. 93T€ - neben ca. 500 Stunden Eigenleistungen - zu stemmen war, haben wir die Chance, in unserem Dorf die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern – getragen von vielen Bürgern unseres Dorfes! Eröffnungstermin des DORV-Zentrums Völlinghausen war der 09. April 2010.

Insgesamt haben sich 218 Bürger bzw. Haushalte unseres Dorfes mit ca. 53 T€ Einlagen an dem DORV-Zentrum beteiligt. Im Mai 2009 wurde daher der Startschuss für die Realisierungsphase mit Verwirklichung der Gesellschaftsstruktur (Verein „DORV-Gemeinschaft Völlinghausen e.V.“als Gesellschafter und „DORV-Zentrum Völlinghausen GmbH“ als Betreiber) gegeben.

Überregionale Anerkennung fand das Projekt durch die Wahl des Vereins „DORV-Gemeinschaft Völlinghausen“ zum Verein des Jahres unter 340 Bewerbern in Südwestfalen. Dieser 1. Platz wurde mit 5.000 € honoriert!

Möhnesee-Völlinghausen, 11. Juli 2010

Für Rückfragen steht zur Verfügung:

Rainer Norbisrath, Auf den Steinern 8, 59519 Möhnesee, Tel. 02925-817356, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!